Merkvers: “So ziehet nun an, als die Auserwählten Gottes, Heiligen und Geliebten,…Sanftmut…” (Kol. 3, 12)
1. Wie gibt sich die Sanftmut auf dem Lebenspfad des Glaubens gegenüber Freund und Feind?
“Die Sanftmut trägt mit gelassenem Sinn und geduldig jedes Unrecht. Dieser Sinn ist denen, die dem Reiche Gottes angehören wollen, unentbehrlich. Die im Geiste Armen und über sich und andere Trauernden nehmen einen sanften, demütigen Sinn an. Sie sind nicht mehr gegen andere hart, lieblos; fahren bei Verfehlungen nicht scharf und streng verurteilend gegen andere aus; tragen, dulden, schweigen und sind stille, wenn andere ein Unrecht gegen sie ausüben, lassen sich, ohne sich aufzulehnen, von den Ungerechten und Gewalttätigen aus ihren Stellen und ihrem Besitztum verdrängen, wenn es sein muss. Sanftmut ist wehrlose Liebe. Schafe haben keine Hörner!”
2. Wer trug unter uns Menschen die reine göttliche Tugend der Sanftmut? Matth. 11, 29; 21, 5
“Nie war ER unhöflich oder unfreundlich, nie sprach ER ohne Ursache ein hartes Wort, nie kränkte ER unnötig ein fühlendes Herz. ER sagte die Wahrheit, aber immer in Liebe. Menschliche Schwäche verurteilte er nicht, wohl aber rügte er die Heuchelei, den Unglauben und die Ungerechtigkeit; doch tat er dies nur mit Tränen in den Augen und mit bewegter Stimme.” (Der Weg zu Christo, S. 10.11)
“Er war nicht weichlich fromm, aber auch nicht kalt und nüchtern. Der Erlöser der Welt besaß ein noch über Engelsnatur erhabenes Wesen; aber seine göttliche Größe war von Sanftmut und Demut durchwebt, so dass er alle Menschen anzog.” (Gedanken vom Berg der Seligpreisungen, S. 142)
3. Welche entgegengesetzte Veranlagung zeigt die alte nicht wiedergeborene Natur des Menschen? Welcher Art sind deshalb die Zustände unter den Menschen dieser Welt? Eph. 2, 3; Ps. 10, 10; Hes. 22, 29
4. An welchen zwei Beispielen im alten und im neuen Testament zeigt sich die Umwandlung von Zornesnaturen zu sanftmütigen Duldern in der Demutschule Gottes?
a) 2. Mose 2, 12; 4. Mose 12, 3: “Der Mann Mose aber war sehr geplagt doch sanftmütig mehr denn alle Menschen auf Erden” (Urtext)
b) Bei welcher Gelegenheit ließ sich Mose in seinem Zorn und Unwillen gehen? Welche unbedachte Handlung vollzog er in seiner aufgebrachten Gemütsverfassung und wie strafte ihn der HERR deswegen? 4. Mose 20, 3.8-11; Ps. 106, 32.33; 5. Mose 3, 23-26
c) Markus 3, 17; Lukas 9, 54; 1. Joh. 4, 7-8
“Doch hatte Johannes keinen fehlerfreien Charakter. Er war kein sanfter, träumerischer Schwärmer. Er und sein Bruder wurden als die ‘Donnerskinder’ bezeichnet. Johannes war stolz, ehrgeizig und streitsüchtig, aber unter all diesen Charakterzügen gewahrte der göttliche Lehrer das aufrichtige, glutvolle, liebende Herz. Jesus tadelte seinen Eigennutz, enttäuschte seinen Ehrgeiz und prüfte seinen Glauben. Aber er offenbarte ihm auch das, wonach sein Inneres verlangte - die Schönheit heiligen Wesens, seine umwandelnde Gottesliebe. Johannes war eine Natur, die sich nach Liebe, Mitgefühl und Gemeinschaft sehnte. Er drängte sich nahe an Jesu heran, saß an seiner Seite, lehnte an seiner Brust. Wie eine Blume sich von Tau und Sonnenschein ernährt, so nahm er göttliches Licht und Leben in sich auf.” (Erziehung, S. 80)
5. Was verfluchte der Erzvater Jakob in seinem prophetischen Verheißungssegen an seinen Söhnen Simeon und Levi? 1. Mose 49, 5-7
“Der Sterbende mißbilligte den Zorneseifer der Brüder Simeon und Levi, mit welchem sie gegen die Sichemiten verfuhren. Sie, gleichwie Ruben, können nicht Träger des großen ewigen Völker- und Friedenssegen werden.” (Übersetzung Loch und Reischl, Kommentar zu 1. Mose 49, 3 ff.)
“‘Ich will sie versprengen in Jakob und zerstreuen in Israel.’ Bei der Zählung des Volkes Israel kurz vor dem Einzug ins Land Kanaan war Simeon der kleinste Stamm. Und Mose erwähnte Simeon in seinem letzten Segen überhaupt nicht. Bei der Ansiedlung in Kanaan erhielt dieser Stamm nur einen Teil von Judas Anteil. Und wo einzelne Familien später mächtig wurden, bildeten sich ganz verschiedenartige Gruppen und siedelten sich außerhalb des Heiligen Landes an. Auch Levi erhielt kein Erbe, ausgenommen 48 Städte, die über das ganze Land verstreut waren.” (Patriarchen und Propheten, S. 210)
6. Wo liegt in uns die Ursache, dass uns noch so viel von der Sanftmut Jesu abgeht? Matth. 16, 24; Kol. 3, 3; Gal. 2, 19-20
“Die Eigenliebe stört unseren Frieden. So lange das Ich lebt, sind wir immer bereit, es vor jeder Kränkung und jeder Beleidigung zu schützen; aber wenn wir uns selbst gestorben sind und unser Leben mit Christus in Gott verborgen ist, werden wir Vernachlässigung und Geringschätzung nicht mehr zu Herzen nehmen. Wir werden taub und blind sein gegen Vorwurf, Hohn und Beleidigung.” (Gedanken vom Berg der Seligpreisungen, S. 144)
7. Für wessen Innewohnen ist die Sanftmut ein Beweis? Gal. 5, 22; 6, 1
“Die Liebe, nämlich die größte Tugend, ist der fruchtbare Baum, an dem diese Frucht wächst, welche den Christen einen herrlichen Geruch gibt. Sie äußert sich durch Werke und Taten. Ein Sanftmütiger tut seinem Beleidiger nichts Böses. Er erweist ihm vielmehr Gutes. Er betet für seine Feinde. Er sucht alle Gelegenheit, sich mit ihnen wieder auszusöhnen.” (Büchner: Realkonkordanz, Absatz Sanftmut)
8. Wie können wir in uns den Zorn und die Empörung gegen empfangenes Unrecht ertragen und besiegen? Röm. 12, 18-21; Judas 9; 1. Petr. 2, 21-23
“Wenn wir Christus in uns aufnehmen, wird der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, unsere Herzen und Sinne bewahren in Christus Jesus.” (Gedanken vom Berg der Seligpreisungen, S. 144)
“Als unser D. Martin Luther die schlimme Botschaft erhielt, dass der Kaiser auf dem Reichstag zu Worms die Acht über ihn und alle seine Anhänger ausgesprochen hat, da saß er gerade auf der Wartburg und spielte Laute. Meinst du, dass er aufgesprungen ist, gejammert und geklagt hat? Als man ihn erstaunt fragte, ob ihn diese böse Kunde nicht bekümmere und empöre, antwortete er unverzagt: ‘Was geht das mich an? Das ist meines HERRN Sache!” (Aus Robert Lieschke, Die sieben Seligpreisungen)
9. Welche goldene Regel ist bezüglich des Zornes und des Unfriedens gegeben? Eph. 4, 26; Jak. 1, 19-20
a) Welche ernste Ermahnung stellt das Wort Gottes gegen den Zorn? Eph. 4, 31.32; Kol. 3, 8
b) Was ist über die schädliche Wirkung des Zornes gesagt? Spr. 27, 4; 30, 33
“Zorn ruhet im Herzen eines Narren…” Pred. 7, 10
10. Mit welchem Geist kann man Herzen besänftigen und Herzen erobern? Spr. 15, 1; 1. Petr. 3, 1.4
“Luther erklärte, dass die Sanftmütigen die Herzen gewinnen. Nun denn, mein Bruder, meine Schwester, welche Herzen möchtest Du gewinnen? Das Deines Gatten, der kalt und launenhaft geworden? Das Deines Kindes, das sich Dir verschlossen? Das Deines bösen Nachbarn, der Dir Dein Leben sauer macht? Sanftmut ist die beste Waffe. Überwinde das Böse mit Gutem, den Hass mit Liebe und Du wirst Siege gewinnen! Wirst ausrufen: ‘Wenn ich schwach bin, so bin ich stark!’” (Robert Lieschke, Die sieben Seligpreisungen)
11. Welche herrliche Verheißung erfüllt sich an den Sanftmütigen? Matth. 5, 5; 1. Kor. 15, 24; Dan. 7, 27
“Die Sanftmütigen ‘werden das Erdreich besitzen.’ Durch das Verlangen nach Selbsterhöhung kam die Sünde in die Welt, und unsere Eltern verloren die Herrschaft über ihr Reich, diese schöne Erde. Durch Selbstverleugnung erlöste Christus die Verlorenen. Er sagt, dass wir überwinden sollen, wie er überwunden hat (Offb. 3, 21). Durch Demut und Hingabe können wir seine Miterben sein…” (Gedanken vom Berg der Seligpreisungen, S. 145)